Media-Markt ist bekannt dafür gerne mit seinen Preisen Schlagzeilen zu machen. Diesmal aber ist einiges anders. Die FAZ berichtet darüber, dass Media-Markt in Zukunft mehrmals täglich seine Preise an den aktuellen Marktpreis im Internet anpassen will. Das zeigt,wie sehr Media-Markt unter den Preisen im Internet leidet und dass die Kunden inzwischen sehr offensichtlich im Media-Markt per Smartphone die Preise vergleichen. Ist der Media-Markt nicht günstiger, ist das gleiche Produkt beim Konkurrenten mit nur einem Klick bestellt.

Auch B2B-Händler haben solche Konzepte bereits im Einsatz und das sogar weitaus intelligenter als es Media-Markt jetzt vor hat. Das renommierte Wall Street Journal hat bereits 2012 herausgefunden, dass der Büromaterial-Shop von Staples eine bemerkenswerte Strategie bei der regionalen Preisdifferenzierung einsetzt. Ist im Umkreis von 30km vom Shop-Kunden ein lokaler Wettbewerber mit einem stationären Geschäft, so werden die Preise um bis zu 20% gesenkt. So wird der Kunde gar nicht erst auf die Idee gebracht, bei einem Wettbewerber vorbeizufahren, wo doch die Preise online schon so gut sind.

Ein Modell für Deutschland?

So attraktiv diese Idee auch scheint. In einem weitläufigen Land wie Amerika mag das funktionieren. In Deutschland würden wir aber auf Grenzen stoßen. Das müssen noch nicht mal die berühmten datenschutzrechtlichen Bedenken sein. Ohne ein Zutun des Nutzers ist eine Lokalisierung des Nutzers auf gerade mal einen Umkreis von 20 bis 30km möglich. Aufgrund der hohen Bebauungsdichte in Deutschland ist in Ballungszentren in diesem Umkreis ein Wettbewerber oft vorhanden. Interessanter wäre aber eine regionale Preisdifferenzierung nach Vertriebsregionen.

Besonders im B2B-Großhandel sind viele Unternehmen nur in bestimmten Regionen stark und haben dort ihre traditionellen Kunden, die den Großhändler kennen und ihm vertrauen. Was wenn dieser aber mit einem Online-Shop in eine fremde Region eintreten möchte. Wenn dem keine rechtlichen Fragen entgegenstehen, kann es sinn machen die regionale Preisdifferenzierung von Staples auch in Deutschland anzubieten. Um Marktanteile zu gewinnen, können in anderen Regionen andere Preise angeboten werden. Da im B2B-Geschäft Preise meist erst nach Login angezeigt werden, sind die Nachteile für den Großhändler überschaubar.

Niedrige Preise können auch gefährlich werden

Dennoch muss jedem Shop-Betreiber klar sein, dass eine Preisdifferenzierung auch nach hinten losgehen kann. Zum einen ist die Welt ein Dorf und solche Ungleichbehandlungen können für Missstimmung bei Bestandskunden sorgen. Zum anderen ist bei massiven Preissenkungen auch immer die Gefahr, dass das gewünschte Preisniveau später nicht mehr erreichbar ist. Die Kunden haben sich an die Preise gewöhnt und sind nicht mehr bereit die normalen Preise zu bezahlen. Auch Media-Markt steht vor dem Problem. Mit einer täglichen Anpassung der Preise wird der Wettbewerb verschärft und die Preise können weiter sinken. Das freut den Verbraucher, ist langfristig aber eine gefährliche Strategie.

 

 

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